

BMW M3: vier Motoren, tausend PS
Bimmer-Fans, tief durchatmen. BMW M baut also tatsächlich einen M3 mit vier Elektromotoren und – festhalten – über 1000 PS. Einen M3. Elektrisch. Willkommen im Jahr 2027.
Bevor jetzt irgendjemand seinen E46-Schlüssel in den Zürichsee wirft: Entwarnung. BMW bringt parallel weiterhin einen M3 mit Reihensechszylinder-Benziner. Die Welt geht also nicht unter. Sie bekommt lediglich eine zweite Option. Und zwar eine sehr, sehr schnelle.

BMW gewährt einen ersten Blick auf die viertürige Limousine – dick eingepackt in Tarnfolie, beim Wintertest im Schnee. Das ist kein Concept Car, kein Marketing-Gag und kein «Vision irgendwas». Das ist ernst. Dieses Auto kommt. Intern nennt BMW das Projekt BMW M Neue Klasse. Der Name ist Programm: neue Plattform, neue Technik, neue Massstäbe. Der Marktstart ist für 2027 vorgesehen.

Vier Motoren
Der neue BMW M eDrive ist der feuchte Traum jedes Physiklehrers mit Benzin im Blut. Zwei Antriebseinheiten – je eine pro Achse –, darin jeweils zwei Elektromotoren. Jeder Motor treibt sein eigenes Rad an. Die offiziell bestätigte Systemleistung nennt BMW noch nicht, spricht jedoch von den leistungsstärksten Antriebseinheiten, die je in einem Serien-M-Modell verbaut wurden.

Kein klassischer Allrad. Keine Kardanwelle. Kein «wir schauen mal, wo die Kraft hingeht». Das Resultat reicht von effizientem Autobahncruisen über maximale Allradtraktion bis hin zu einer entkoppelten Vorderachse für hecklastiges Fahrverhalten. Ja, auch Drifts sind ausdrücklich mitgedacht.
Wo bleibt das Drama?
Ein M3 lebt nicht nur von Zahlen, sondern von Hochdrehen, Gangwechseln und Gänsehaut. Das weiss auch BMW. Darum spricht man offiziell von emulierten Schaltvorgängen sowie von einer eigenständigen Klangkulisse, die das Fahrerlebnis emotional aufladen soll. Ob das alle überzeugt? Keine Ahnung. Aber BMW versucht es wenigstens – und nicht halbherzig.

Batterie mit Muskeln
Der Hochvoltspeicher ist alles andere als ein Strom-Rucksack. Über 100 Kilowattstunden nutzbare Energie, leistungsoptimierte Zellchemie, hohe Peakleistungen, extreme Rekuperationswerte und 800-Volt-Technik für schnelles Laden. Die Batterie ist ein struktureller Bestandteil der Karosserie und fest mit Vorder- und Hinterachse verbunden. Das erhöht die Gesamtsteifigkeit – und damit Präzision und Fahrdynamik.
Vier Superhirne und ein Herz

Nein, das ist kein Filmtitel, sondern die neue Elektronikarchitektur. Vier Hochleistungsrechner – von BMW Superbrains genannt – steuern Fahrdynamik, automatisiertes Fahren, Infotainment sowie Basis- und Komfortfunktionen. Der wichtigste davon trägt den dramatischen Namen Heart of Joy. Könnte ebenfalls ein Filmtitel sein.
Und dann noch Naturfasern. Ernsthaft?
Ja. BMW M setzt erstmals auf Naturfaser-Verbundstoffe. Motorsport-erprobt, mit ähnlichen Eigenschaften wie Karbon, aber mit rund 40 Prozent weniger CO2e-Emissionen in der Herstellung. Kein grünes Feigenblatt, sondern konsequenter Leichtbau mit Gewissen.

Vier Motoren. Tausend PS. Egal, wo man in der Elektro-vs-Benzin-Debatte steht: Dieser M3 ist kein lauwarmer Kompromiss, sondern eine eigene Hausnummer. Und das Beste daran? Niemand wird gezwungen, umzusteigen. Der Sechszylinder bleibt. Die Zukunft kommt trotzdem.
Bilder: BMW


