

Unterm Hammer: Von KITT bis Moss
Am 7. November wird das Dolder Grand in Zürich zu einem ziemlich exklusiven Gebrauchtwagenplatz. An der Broad Arrow Auction werden Raritäten gehandelt, die man sonst kaum je zu Gesicht bekommt. Wir haben zehn besonders spannende Highlights herausgepickt.
1. Ferrari LaFerrari (2015)
Schätzpreis: 5’500’000–7’500’000 Franken

Ferrari rot? Hat doch jeder. Dieser LaFerrari trägt Bianco Fuji, ein edles Perlweiss, das ihn beinahe unschuldig aussehen lässt. Dabei steckt unter seiner Karrosserie ein 6,3-Liter-V12, der zusammen mit einem Elektromotor 963 PS mobilisiert. Der LaFerrari war Ferraris erstes serienmässiges Hybrid-Hypercar. Allerdings diente die Elektrifizierung nicht dazu, Eisbären zu retten, sondern die Beschleunigung noch brutaler zu machen. Von 0 auf 100 km/h vergehen weniger als drei Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt jenseits von 350 km/h. Nur 499 Coupés wurden ursprünglich gebaut. Das Zürcher Exemplar hat gerade einmal 92 Kilometer auf dem Tacho. Trotzdem wurden kürzlich über 260’000 Euro in Wartungsarbeiten investiert, darunter eine neue Hochvoltbatterie. Besonders spannend: Der Ferrari wird ohne Mindestpreis versteigert. Wer ihn haben will, braucht also nicht nur sehr viel Geld, sondern auch ziemlich starke Nerven.

2. Mercedes-Benz SLR McLaren Stirling Moss (2009)
Schätzpreis: 2’500’000–3’000’000 Franken

Keine Windschutzscheibe. Kein Dach. Kein bisschen Vernunft. Die radikale Speedster-Version des SLR erinnert an den legendären 300 SLR, mit dem Stirling Moss und Denis Jenkinson 1955 die Mille Miglia gewannen. Unter der endlos langen Motorhaube arbeitet ein 5,4-Liter-Kompressor-V8 mit 650 PS. Das reicht für 350 km/h. Vorausgesetzt, der Fahrer hat keine Angst vor Insekten. Nur 75 Exemplare wurden gebaut. Der silberne Wagen aus Zürich stammt aus Erstbesitz, zeigt 13’410 Kilometer und hat sogar dreimal an der modernen Mille Miglia teilgenommen. Zuletzt 2021. Damit ist er mehr als ein millionenteures Sammlerstück, das sein Leben unter einer Staubschutzhaube verbracht hat. Dieser Mercedes durfte tatsächlich auf die Strasse. Genau dort gehört er auch hin.

3. Mercedes-Benz 300 SL Gullwing (1955)
Schätzpreis: 1’350’000–1’650’000 Franken

Manche Autos tun alles, um aufzufallen. Der Mercedes-Benz 300 SL braucht bloss seine Türen zu öffnen. Seit 1954 gilt der Flügeltürer als einer der schönsten Sportwagen der Automobilgeschichte. Dabei entstand seine berühmteste Eigenheit aus einer technischen Notwendigkeit: Der Gitterrohrrahmen liess konventionelle Türen kaum zu. Also wurden sie nach oben angeschlagen. Fertig war eine Designikone. Auch technisch war der 300 SL seiner Zeit voraus. Sein Dreiliter-Reihensechszylinder mit Benzindirekteinspritzung leistete 215 PS. Je nach Übersetzung waren bis zu 260 km/h möglich. Damals durfte man diese Geschwindigkeit auch in der Schweiz noch legal auf öffentlichen Strassen ausleben. Der in Zürich angebotene Wagen stammt von 1955 und ist ein linksgelenktes Coupé mit Handschaltung. Und dürfte sehr begehrt sein. Der Flügeltürer ist nicht einfach ein Oldtimer. Er ist ein Stück Automobilgeschichte mit zwei Flügeln.

4. Audi Sport Quattro (1985)
Schätzpreis: 680’000–780’000 Franken

Der Audi Sport Quattro ist Kult. Gegenüber dem normalen Ur-Quattro wurde sein Radstand um rund 32 Zentimeter gekürzt. Das Resultat ist ein gedrungener Kraftwürfel mit breiten Backen, riesigem Turbo und dem Temperament eines schlecht gelaunten Tyrannosaurus Rex. Gebaut wurde der Sport Quattro, damit Audi in der legendären Gruppe B konkurrenzfähig blieb. Für die Strassenzulassung entstanden lediglich 214 Exemplare. Unter der Haube arbeitet ein 2,1-Liter-Fünfzylinder mit 306 PS. In der Wettbewerbsversion war noch erheblich mehr möglich. Das Zürcher Exemplar trägt standesgemäss Tornadorot, kombiniert mit einem Interieur in Quarz und Graphit. Auf dem Kilometerzähler stehen 82’229 Kilometer. Für einen Sport Quattro ist das durchaus ein Zeichen dafür, dass er nicht nur bewundert, sondern auch bewegt wurde. Heute kostet der einstige Rallye-Homologationswagen so viel wie eine Eigentumswohnung. Aber die tönt nicht so toll.
5. BMW 3.0 CSL (2023)
Schätzpreis: 900’000–1’200’000 Franken
Als BMW zum 50. Geburtstag seiner M-Abteilung den 3.0 CSL präsentierte, wurde dies standesgemäss gefeiert – mit 560 PS, Handschaltung und nur 50 Exemplaren. Der BMW 3.0 CSL ist eine Liebeserklärung auf Rädern. Mit breiten Kotflügeln, gewaltigem Heckspoiler und klassischen Motorsportfarben. Das in Zürich angebotene Auto hat dazu noch eine besonders interessante Geschichte: Es gehörte dem ehemaligen Formel-1-Piloten Nick Heidfeld. Ein Mann, der ziemlich genau weiss, wozu ein Sportwagen gut ist. Mitgeliefert werden zahlreiche exklusive Auslieferungsgegenstände, darunter eine signierte Entwurfsskizze. Technisch basiert der CSL auf der M4-Familie, ist aber deutlich exklusiver. Ob er deshalb eine Million Franken wert ist? Das werden die Bieter entscheiden.
6. Monteverdi High Speed 375/4 (1975)
Schätzpreis: 185’000–230’000 Franken

Peter Monteverdi hatte einen Traum: Er wollte in der Schweiz Luxusautos bauen, die es mit Ferrari, Maserati und Rolls-Royce aufnehmen konnten. Nicht gerade die bescheidenste Geschäftsidee für einen Mann aus Binningen. Der High Speed 375/4 war seine Antwort auf die Frage, wie eine Schweizer Luxuslimousine auszusehen hatte. Vier Türen, eine endlos lange Motorhaube, italienisch geprägtes Design und darunter amerikanische V8-Technik. Die Kombination war typisch Monteverdi: europäische Eleganz, amerikanische Muskelkraft und ein ziemlich selbstbewusstes Preisschild. Nur rund 30 Exemplare wurden gebaut. Damit ist der 375/4 seltener als die meisten italienischen Exoten seiner Zeit. Das 1975 gebaute Auktionsauto wurde zwischen 2016 und 2020 aufwendig restauriert und anschliessend auf verschiedenen Concours-Veranstaltungen präsentiert. Für Schweizer Sammler dürfte es eines der interessantesten Fahrzeuge der gesamten Auktion sein.
7. Bizzarrini 5300 GT Strada (1968)
Schätzpreis: 700’000–830’000 Franken

Giotto Bizzarrini war kein Mann, der sich gerne etwas sagen liess. Schon gar nicht von Enzo Ferrari. Der Ingenieur hatte unter anderem am legendären Ferrari 250 GTO mitgearbeitet, bevor er Maranello im Streit verliess. Anschliessend baute er seine eigenen Sportwagen. Der 5300 GT Strada ist vielleicht sein grösstes Meisterwerk. Eine flache, aggressive Karrosserie, eine schier endlose Motorhaube und darunter ein amerikanischer Chevrolet-V8 mit 5,4 Litern Hubraum. Italienisches Temperament trifft auf amerikanische Grobmotorik. Eine wunderbare Kombination. Der Motor wurde weit hinter der Vorderachse platziert, um die Gewichtsverteilung zu verbessern. Mit rund 365 PS gehörte der Bizzarrini Mitte der Sechzigerjahre zu den schnellsten Strassensportwagen überhaupt. Seine Rennsportverwandtschaft bewies 1965 mit einem Klassensieg in Le Mans, dass hinter der spektakulären Form auch ernsthafte Technik steckte. Das 1968 gebaute Zürcher Exemplar ist ein Auto für Kenner. Und vielleicht gerade deshalb reizvoller als der nächste rote Ferrari.
8. McLaren Senna (2019)
Schätzpreis: 1’100’000–1’400’000 Franken

Beim McLaren Senna wurde alles dem Abtrieb untergeordnet. Der riesige Heckflügel, die zerklüftete Front und die unzähligen Luftkanäle erfüllen einen einzigen Zweck: schneller um Kurven zu fahren. Benannt wurde das Auto nach dem dreifachen Formel-1-Weltmeister Ayrton Senna. Ein Name, der verpflichtet. Der Vierliter-V8 mit Biturboaufladung leistet 800 PS, das Trockengewicht liegt bei rund 1200 Kilogramm. Von 0 auf 100 km/h geht es in 2,8 Sekunden. Doch geradeaus schnell fahren können andere auch. Der Senna wurde für die Rennstrecke entwickelt und erhielt nur das Nötigste an Strassentauglichkeit. Der in Zürich angebotene Wagen trägt Volcano Orange, ist die Nummer 181 von 500 und wurde in die Schweiz ausgeliefert. Auf dem Tacho stehen nur 131 Kilometer. Quasi ein Neuwagen.
9. Aston Martin Lagonda Shooting Brake (1987)
Schätzpreis: 250’000–350’000 Franken

Der Aston Martin Lagonda war schon als Limousine ein ziemlich eigenartiges Automobil. Eine über fünf Meter lange Luxuskarosse, flach wie ein Bügeleisen und vollgestopft mit Elektronik, die ihrer Zeit weit voraus war. Doch irgendjemand dachte sich offenbar: Daraus müsste man unbedingt einen Kombi machen. Die Schweizer Aston-Martin-Spezialisten von Roos Engineering setzten diese Idee tatsächlich um. Im Jahr 2000 verwandelten sie einen Lagonda Series 3 von 1987 in einen Shooting Brake. Das Ergebnis ist ebenso faszinierend wie gewöhnungsbedürftig. Vorne futuristische Achtzigerjahre, hinten englischer Landadel auf dem Weg zur Fasanenjagd. Lackiert ist das Einzelstück in Antrim Blue, innen wartet graues Connolly-Leder. Unter der Haube arbeitet der klassische Aston-Martin-V8. Der Wagen wird ohne Mindestpreis versteigert. Wer ihn kauft, bekommt vermutlich keinen besonders praktischen Kombi. Dafür aber ein Automobil, das auf jedem Concours gefeiert wird.
10. Pontiac Firebird Trans Am K.I.T.T. (1982)
Schätzpreis: 250’000–500’000 Franken

«Michael, wohin fahren wir?» Wer in den Achtzigerjahren vor dem Fernseher sass, kennt diesen Satz vielleicht besser als die eigene Telefonnummer. K.I.T.T., der sprechende Pontiac Firebird Trans Am aus «Knight Rider», war für eine ganze Generation das coolste Auto der Welt. Er konnte sprechen, selbstständig fahren, über Hindernisse springen und hatte vorne dieses herrlich sinnlose rote Lauflicht. Jetzt kommt ein Exemplar nach Zürich, das eine besondere Verbindung zu David Hasselhoff besitzt. Allerdings handelt es sich nicht um eines der originalen Drehfahrzeuge der Fernsehserie. Dieser 1982 gebaute Pontiac wurde als originalgetreuer K.I.T.T.-Tourwagen eingesetzt und gehörte Hasselhoffs Firma Profile Promotions. Er begleitete den Schauspieler und Sänger bei öffentlichen Auftritten. Seine Geschichte ist mit Dokumenten und Fotografien belegt. Der Schätzpreis reicht bis zu einer halben Million Franken. Für einen alten Pontiac ist das vollkommen verrückt. Für ein Stück Kindheit, das aussieht wie K.I.T.T.? Vielleicht sogar ein Schnäppchen? «Michael, ich würde dir davon abraten.»

Die öffentliche Besichtigung findet am 5. und 6. November von 10 bis 18 Uhr statt, die Auktion am 7. November ab 15 Uhr. Der Zutritt zur eigentlichen Versteigerung ist beschränkt.
Bilder: Broad Arrow


