VW ID.3 GTI

Drei Buchstaben unter Strom

Vergessen Sie GTX. Volkswagen macht aus seinem stärksten ID.3 einen GTI. 326 PS, Hinterradantrieb, Schottenkaro und «Wörthersee»-Felgen. Aber akzeptieren die GTI-Jünger ein Elektroauto in ihrem Club?

Veröffentlicht am 20.09.2026

Die Schottenkaro-Gemeinde ist traditionsbewusst. 50 Jahre lang roch ihr Heiligtum nach Benzin – jetzt soll sie plötzlich an Strom glauben. Volkswagen hängt die heiligen drei Buchstaben an ein Elektroauto. Genauer: zum zweiten Mal nach dem ID. Polo GTI. Aber diesmal wird es ernst. Denn der neue ID.3 GTI ist mit 240 kW/326 PS tatsächlich der stärkste Serien-GTI der Geschichte. Genau ein PS stärker als der Golf GTI Edition 50. Zufall? Eher nicht.

GTI statt GTX

Schon der bisherige ID.3 GTX Performance leistete 326 PS. Aus GTX wird also bloss GTI? Nein, Volkswagen hat nicht einfach drei Buchstaben ausgetauscht und Feierabend gemacht.

Das Fahrwerk wurde neu abgestimmt, dazu kommen adaptive DCC-Dämpfer, Progressivlenkung, Launch Control und ein eigener GTI-Modus. Ein Druck auf die beleuchtete GTI-Taste am Lenkrad schärft Antrieb, Lenkung und Fahrwerk, färbt die Instrumente rot und lässt sogar einen künstlichen Verbrennungsmotor ertönen. Ob ein Elektro-GTI unbedingt so tun muss, als hätte er Benzin im Blut, darf jeder selbst entscheiden.

Viel interessanter ist etwas anderes: Der ID.3 GTI ist der erste GTI mit Hinterradantrieb. Seit 1976 zerrten die GTI traditionell an den Vorderrädern. Jetzt wird geschoben. 545 Nm liegen praktisch sofort an, von null auf 100 km/h geht es in 5,6 Sekunden. Bei 200 km/h zieht Volkswagen elektronisch den Stecker.

Kein Elektro-Rambo

Und was macht Volkswagen nicht? Kein Drift-Modus, keine simulierten Gangwechsel, keine künstliche Doppelkupplungsshow. Und das aus Tradition. Schon der Golf GTI von 1976 war kein wilder Rennwagen, sondern ein ziemlich normales Auto, das zufällig sehr viel Spass machte.

Unter dem Boden steckt eine 79-kWh-Batterie netto. Volkswagen prognostiziert bis zu 601 Kilometer WLTP-Reichweite und einen Verbrauch von 14,5 kWh/100 Kilometer. Geladen wird allerdings nur mit maximal 183 kW. Von zehn auf 80 Prozent sollen rund 29 Minuten vergehen. Im Jahr 2027 ist das ordentlich – aber kein Wert, den man sich aufs T-Shirt drucken lässt.

Wörthersee lebt

Dafür greift VW tief in die GTI-Retro-Kiste. Der rote Streifen ist wieder da. Ebenso das Wabengitter, rote Ziernähte, die 12-Uhr-Markierung am Lenkrad und natürlich das Schottenkaro auf den Sitzen. Die neuen 20-Zoll-Räder heissen sogar «Wörthersee».

Dach, Heckklappe und Spoiler sind nun in Wagenfarbe lackiert, wodurch der ID.3 gestreckter und weniger nach Elektro-Ei aussieht. Die roten Akzente und grossen schwarzen Räder geben ihm genau jene Portion Krawall, die dem bisherigen GTX fehlte.

Ein GTI war nie einfach der stärkste Golf. Dafür gab es später VR6, R32 und Golf R. GTI bedeutete vielmehr: leicht, bezahlbar, praktisch und schnell genug, um auf einer kurvigen Landstrasse deutlich teurere Autos zu ärgern. Und mit 601 Kilometer Reichweite könnte er sogar ein ziemlich brauchbarer Reise-GTI werden. Der Vorverkauf startet Anfang 2027. Bis dahin steht immerhin fest: GTX wird kaum jemand vermissen. GTI dagegen versteht jeder.

Bilder: VW

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