

KTM hat wieder einen Pfeil im Köcher
KTM hat turbulente Zeiten hinter sich. Doch mit dem überarbeiteten X-BOW stehen die Zeichen wieder auf Angriff. Die österreichische Sport-Armbrust bekommt noch mehr PS und schiesst erstmals oben ohne über die Piste.
Den KTM X-BOW als Sportwagen zu bezeichnen, ist untertrieben. Er ist vielmehr ein Kampfjet ohne Flügel oder ein Giga-Go-Kart mit Fenstern – je nachdem, wie man es sieht. Seit 2008 baut KTM diese fahrbaren Adrenalinspritzen in Graz. Mehr als 1500 Exemplare sind seither entstanden. Und jetzt beginnt ein neues Kapitel.
Dakar statt Insolvenz

Seit Oktober 2025 gehört die KTM X-BOW Onroad GmbH vollständig einer belgischen Investorengruppe um Guillaume de Mévius. Der Mann stammt aus der Familie hinter dem Biergiganten AB InBev und weiss, wie man sich durch schwieriges Gelände kämpft. Schliesslich ist er selbst Dakar-Rallyefahrer. Und de Mévius scheint nicht gekommen zu sein, um bloss die Möbel umzustellen. Gleich mehrere Neuheiten sollen dem X-BOW GT-XR frischen Schub verleihen. Und das ist keine Bieridee.
600 PS unter Druck

Das schärfste Geschoss heisst GT-XR EVO. Sein Factory-600-Paket hebt die Leistung von bisher 500 auf satte 600 PS. Gleichzeitig steigt das Drehmoment von 581 auf bis zu 680 Nm. Dafür spendiert KTM dem Motor unter anderem einen überarbeiteten Turbolader, eine neue Ansaugbrücke und einen verbesserten Ladeluftkühler. Bis zu 2,9 bar Ladedruck sollen dafür sorgen, dass dem Fahrer beim Beschleunigen nicht langweilig wird.

Damit der EVO nicht gleich abhebt, gibt es ein zusätzliches Aerodynamikpaket aus Karbon. Frontsplitter, Luftleitbleche und Entlüftungsöffnungen sollen den Luftstrom bändigen. Optisch wirkt das Ganze, als hätte ein Rennteam vergessen, vor der Auslieferung sämtliche Spoiler abzuschrauben.
Stürmische Zeiten
Wer lieber den Wind um die Ohren hat, bekommt mit dem GT-XR Spyder erstmals eine offene Variante des GT-XR. Die Dachelemente lassen sich entfernen und im Kofferraum verstauen. Auch der Dachspoiler kann abgenommen werden, um störende Luftverwirbelungen zu reduzieren. Das klingt nach einer wunderbaren Möglichkeit, sich die Frisur schon vor der ersten Kurve gründlich ruinieren zu lassen.

Selbst der normale GT-XR bekommt eine Frischzellenkur. Ein neues 7-Zoll-Multimediasystem bringt Apple CarPlay, Android Auto, Rundenzeitmessung und G-Kräfte-Anzeige ins Cockpit. Die bisherigen Kameraspiegel weichen serienmässig klassischen Karbon-Aussenspiegeln. Ausserdem gibt es eine EU-homologierte Abgasanlage von Capristo. Ein bisschen knallen muss es.
Mehr als ein neues Kapitel
Mit einem neuen Werksservice, optionalen Garantieverlängerungen und dem Individualisierungsprogramm ICONIX will KTM auch die Kundschaft bei Laune halten. Besonders erfreulich: Die Leistungs- und Aerodynamikpakete sollen sich bei bestehenden Fahrzeugen nachrüsten lassen.
Was der ganze Spass kostet, verrät KTM noch nicht. Auch zu Fahrleistungen und Schweizer Verfügbarkeit fehlen konkrete Angaben. Sicher ist nur: Der X-BOW bleibt ein Auto für Menschen, denen ein gewöhnlicher Supersportwagen schlicht zu gewöhnlich ist. Und mit einem Dakar-Piloten am Steuer der Firma dürfte die Reise kaum gemütlicher werden.
Bilder: KTM X-BOW Onroad GmbH


