

Goodwood: Der Drache ist gelandet
800 PS, 1300 Kilogramm, ein frei saugender V12 und eine Karosserie, die aussieht, als wäre sie während der Beschleunigung explodiert. Mit dem Apollo Evo Caribbean Dragon feierte in Goodwood nicht einfach ein neues Hypercar Premiere – sondern «Rebellious German Engineering».
Erinnern Sie sich noch an den Gumpert Apollo? 2008 fuhr der Supersportwagen auf der Nordschleife mit einer Zeit von 7:11,57 Minuten zu den schnellsten strassenzugelassenen Serienfahrzeugen seiner Zeit, während Top-Gear-Moderator Jeremy Clarkson meinte, der Apollo sehe aus wie «Darth Vaders Ferienhaus».
Nach finanziellen Schwierigkeiten musste die Gumpert Sportwagenmanufaktur 2013 Insolvenz anmelden. Zwei Jahre später übernahm eine Hongkonger Investmentgruppe die Marke. Gemeinsam mit Roland Gumpert entstand daraus Apollo Automobil und in der Folge einige der spektakulärsten Supersportwagen-Kleinserien überhaupt.
Deutscher Drache in Goodwood

Nun wurde in Goodwood der neue Apollo Evo Caribbean Dragon vorgestellt. Schon im Stand wirkt der Evo wie ein Drache kurz vor dem Angriff. Flügel, Finnen, Lufteinlässe und messerscharfe Karbonkanten überziehen die Karosserie wie eine mittelalterliche Ritterrüstung. Und das Heck sieht aus, als wäre die Antriebsrakete explodiert.

Der Caribbean Dragon ist das erste Serienfahrzeug der auf nur zehn Exemplare limitierten Evo-Baureihe und markiert gleichzeitig den offiziellen Produktionsstart des neuen Apollo-Hypercars. Bereits 2021 wurde der Evo als Prototyp vorgestellt, nun rollte das erste Kundenfahrzeug beim Goodwood Festival of Speed erstmals vor Publikum über den legendären Hillclimb.
Flammen statt Turbos

Das Herzstück ist ein frei saugender 6,3-Liter-V12. Konstruktiv basiert er auf Ferraris legendärer F140-Motorenfamilie, wurde jedoch von den Rennsport-Spezialisten von HWA umfassend weiterentwickelt. Das Resultat sind 800 PS und 760 Nm Drehmoment. Geschaltet wird über ein sequenzielles Sechsgang-Getriebe, die Kraft gelangt ausschliesslich an die Hinterräder. Von null auf 100 Kilometer pro Stunde vergehen lediglich 2,7 Sekunden, Schluss ist bei rund 333 km/h.

Trotz des gewaltigen Motors bringt der Evo lediglich rund 1300 Kilogramm Trockengewicht auf die Waage. Möglich macht das ein komplett neu entwickeltes Karbon-Monocoque, das gegenüber dem Vorgänger nochmals leichter und steifer ausfällt. Dazu kommen Karbon-Hilfsrahmen vorne und hinten sowie über 75 einzelne Karbon-Karosserieteile.
Mehr Abtrieb als Eigengewicht
Apollo behauptet, der Evo entwickle bis zu 1350 Kilogramm Abtrieb. Rein theoretisch erzeugt das Auto bei Höchstgeschwindigkeit also mehr Anpressdruck, als es selbst wiegt. Aktive Aerodynamik gehört selbstverständlich dazu. Der riesige Heckflügel verändert seine Stellung innerhalb einer Sekunde. Hinzu kommen zahlreiche Luftkanäle, Finnen und Spoiler, die den Luftstrom gezielt lenken.
Drachenhaut aus Titan
Das spektakulärste Detail versteckt sich allerdings am Heck. Die komplett 3D-gedruckte Titan-Auspuffanlage trägt den Namen «Dragon Skin». Ihre schuppenartige Oberfläche erinnert tatsächlich an die Haut eines Drachen. Apollo spricht vom grössten einteiligen 3D-gedruckten Auspuff, der je für ein Automobil gebaut wurde. Allein seine Fertigung dauert rund 123 Stunden. Temperaturen bis 1000 Grad Celsius sollen ihm nichts anhaben können.

Auch im Cockpit dominiert kompromissloser Leichtbau. Sichtbares Karbon, freiliegende Aluminiumstrukturen und mechanische Schalter bestimmen das Bild. Luxus sucht man vergeblich. Braucht man auch nicht. Der Apollo Evo Caribbean Dragon besitzt nämlich keine Strassenzulassung.
Geboren für die Rennstrecke
Zehn Exemplare entstehen weltweit, jedes individuell nach Kundenwunsch aufgebaut. Der Preis beginnt bei rund drei Millionen Euro. Apollo nennt seine Philosophie «Rebellious German Engineering». Selten passte ein Slogan besser.
Bilder: Apollo


