

Eis, Elektronen und Evergreens
Zell am See. Minusgrade. Pulverschnee. Und Eis, das so perfekt präpariert ist, dass selbst Curlingsteine nervös werden. Mittendrin: das FAT Ice Race 2026 – wo die Vergangenheit quer kommt und die Zukunft lautlos driftet.
Das FAT Ice Race in Zell am See ist Kult. 1952 trug das erste Eisrennen noch den Titel “Professor Ferdinand Porsche Memorial Race” und fand unweit des Familiensitzes der Porsches im Schüttgut in Zell am See statt.

Die 1800 m lange Strecke war eine eher improvisierte Angelegenheit und wurde praktisch vor Ort entworfen. Auf dem Eis drehten die damals neuen Porsche 356 ihre Runden. An manchen hängte sogar ein Skifahrer dran – Skijöring mit 44 bis 75 PS.

Der Erfolg des ersten Eisrennen war so gross, dass es auch in den folgenden Jahren ausgetragen wurde. Bis 1974 waren die Eisrennen in Zell am See beliebte Publikums-Events. Dann kam die Ölkrise. Viele Autorennen wurden gecancelt und gerieten danach in Vergessenheit.

45 Jahre lag auch das Eisrennen im Dornröschenschlaf. Erst 2019 wurde es wiederbelebt – von Ferdinand Porsche, dem Urenkel des Firmengründers, der mit einem Porsche 356 an den Start ging, der hier bereits 1952 gefahren ist. Wie bereits damals, sollte die Neuauflage keine elitäre Rennveranstaltung sein, sondern ein volksnahes Event.
Fun over Speed

1952 erreichte das schnellste Auto auf der Eisbahn eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 57 km/h. Heute liegt dieser Durchschnitt bei weit über 100 km/h. Beim FAT Ice Race geht es aber nicht darum, wer der Schnellste ist, sondern wer am meisten Freude bereitet. So treffen in Zell am See historische Rennfahrzeuge auf moderne Hypercars, Rallye-Boliden auf Design-Studien, Vintage-Look auf Social-Media-Ästhetik.

1156 PS auf Eis

2026 feierte hier der neue Cayenne Electric seine Premiere. Und zeigte, in welcher Klasse er künftig spielen wird: 850 kW, 1156 PS, 1500 Nm Drehmoment. Auf Eis. Während ein wiederbelebter 964-Buggy quer durch den Schnee pflügte, zog das Elektro-SUV seine präzisen Drift-Runden – fast lautlos. Hier liegt die Magie des FAT Ice Race: Es geht um Kontraste. Um das Nebeneinander von luftgekühltem 356 und Hochvolt-Cayenne.

Vom Eisrennen zur Car Culture

Was das FAT Ice Race auch noch von klassischen Motorsport-Events unterscheidet, ist die Atmosphäre. Design-Installationen, Musik, Streetwear, Foodtrucks, Kunst – es ist halb Rennsport, halb Winterfestival. Rund 8500 Besucher waren 2026 vor Ort und genossen die Volksfeststimmung. Das Event hat sich vom nostalgischen Revival zur Plattform für moderne Car Culture entwickelt. Marken nutzen es als Bühne, Sammler als Treffpunkt, junge Enthusiasten als Eintrittstor in eine Szene, die sonst eher elitär wirkt.

Bilder: Porsche


