

Ein Spider zum Niederknien
Alfa Romeo hat die Giulia nie als Cabriolet gebaut. Also will es Castagna Milano machen: Lange Schnauze, zwei Sitze, 2,9-Liter-V6-Biturbo. Fehlt nur noch ein verrückter Alfista mit einem sehr grossen Portemonnaie.
Wieder mal dreht das Internet durch. Der Grund heisst Castagna Giulia Quadrifoglio Cabrio. Auf seinen Social-Media-Kanälen hat das traditionsreiche Mailänder Karrosserieunternehmen den digitalen Entwurf eines offenen Gran Turismo auf Basis der Alfa-Sportlimousine präsentiert – schön wie ein italienischer Massanzug.

Tradition der Zukunft
Hinter dem Projekt steht Castagna Milano, eine der traditionsreichsten Karrosserieschmieden Italiens. Früher war es selbstverständlich, dass vermögende Kunden ein Chassis bei einem Hersteller bestellten und sich von einem Karrosseriebauer ein individuelles Kleid schneidern liessen. Auch Alfa Romeo profitierte davon. Modelle wie der 6C 2500 oder der 1900 wurden von verschiedenen Carrozzieri eingekleidet. Jedes ein Kunstwerk, jedes ein Unikat.

Genau diese Tradition möchte Castagna-Chef Gioacchino Acampora wiederbeleben. Denn heute hüten die Hersteller ihre Designs wie Staatsgeheimnisse. Für unabhängige Karrosseriebauer bleibt kaum noch Platz. Castagna will beweisen, dass es auch anders geht.
330 Millimeter mehr Leidenschaft

Das Ergebnis sieht aus, als hätten sich ein klassischer Alfa Spider und ein moderner Supersportwagen zu einem leidenschaftlichen Rendezvous getroffen. Von der ursprünglichen Giulia bleibt optisch kaum etwas übrig. Die Vordersitze sollen 330 Millimeter nach hinten wandern, die Motorhaube wird länger und 40 Millimeter flacher. Dazu eine komplett neue Karbon-Karrosserie mit breiten Kotflügeln, aggressiven Lufteinlässen und einer geschwungenen Gürtellinie, die elegant ins Heck übergeht.

Die Spurweite soll jener des Giulia GTAm entsprechen. Hinten sind ein aktiver Spoiler und ein Diffusor für sportliche Ambitionen vorgesehen. Vorne erinnern die fangartigen Tagfahrlichter allerdings ein bisschen an einen Peugeot 308. Hat man es einmal gesehen, wird man den Gedanken nicht mehr los.
Leichtbau statt Leistungswahn
Unter der langen Haube soll der bekannte 2,9-Liter-V6-Biturbo der Giulia Quadrifoglio erhalten bleiben. Der leistet je nach Modelljahr 510 beziehungsweise 520 PS. Castagna verspricht ein Leergewicht von lediglich 1420 Kilogramm. Das wäre bemerkenswert wenig für einen offenen GT. Eine längere Achsübersetzung soll den Alfa zum entspannten Langstreckenläufer machen.
Innen sind Leder in zwei Ausführungen, edle Holzapplikationen und viel italienische Handwerkskunst vorgesehen. Das Stoffverdeck soll auf Knopfdruck verschwinden. Besonders erstaunlich: Selbst bei geöffnetem Dach sollen noch 623 Liter Gepäck in den Kofferraum passen. Mehr als in manchem Familienkombi. Bella macchina!
Alfista gesucht
Noch existiert der offene Quadrifoglio allerdings nur auf dem Bildschirm. Castagna bezeichnet das Projekt als zulassungsfähig und kurzfristig realisierbar. Was fehlt, ist ein Auftraggeber. Einer, der nicht fragt, was das Ganze kostet, sondern wann er den Schlüssel bekommt.
Ob der Giulia Quadrifoglio Spider jemals gebaut wird? Keine Ahnung. Aber irgendwo auf dieser Welt muss es doch einen reichen Alfista geben, der sich diesen Traum erfüllen möchte. Und falls nicht, wäre das beinahe eine grössere Tragödie als das Ende des klassischen Alfa Spider.
Bilder: Castagna Milano Giulia


