

Neuer Supersportler: Porsche Mission S
Porsche will wieder Porsche sein. Der Mission S ist ein spektakulärer Mittelmotor-Supersportwagen, der oberhalb des 911 angesiedelt werden soll. Dahinter steckt allerdings weit mehr als Nostalgie: Die Studie ist Teil der Strategie «Sportwagenschmiede ’35».
Der Mission S ist kein Blick in den Rückspiegel, sondern eine Kampfansage an Ferrari. «Das S steht nicht nur für Supersportwagen, sondern auch für Superstar», sagt Michael Leiters, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG. «Mit dem Mission S geben wir einen Ausblick auf die Ideen und die gestalterischen Merkmale, die Porsche in den kommenden Jahren prägen werden.»

Der Mission S ist also mehr als eine hübsche Fingerübung der Designabteilung. Porsche-Chef Michael Leiters kündigt eine neue, dauerhaft angebotene Mittelmotor-Supersportwagenfamilie oberhalb des 911 an. Geplant ist also nicht irgendein limitiertes Sammlerstück, sondern eine eigenständige Baureihe.
Bisschen 550, bisschen 959

Optisch bedient sich Porsche im eigenen Familienalbum. Die flache Silhouette erinnert an den 550 Spyder, die breiten Schultern an den 959, die Lufteinlässe an historische Rennwagen. Dazu kommen Anspielungen auf den 356, den 911 und den legendären GT1. Selbst die Räder zitieren mit ihrem Design die sogenannten Telefonfelgen des 928.

Flach, muskulös und ohne den aerodynamischen Weihnachtsbaumschmuck, den manche Supersportwagen heute spazieren fahren. Ein aktiver Heckflügel sorgt bei Bedarf für zusätzlichen Abtrieb. Porsche-Designchef Tobias Sühlmann kündigt an, dass verschiedene Gestaltungselemente künftig auch bei Serienmodellen auftauchen sollen. Der Mission S ist also nicht nur eine Vorschau auf einen neuen Supersportwagen, sondern möglicherweise auch auf das Gesicht künftiger Porsche.

Endlich wieder Knöpfe!

Fast noch interessanter ist der Innenraum. Fünf klassische Rundinstrumente sitzen vor dem Fahrer. Im Zentrum ein Drehzahlmesser mit echter Nadel, der sich je nach Fahrmodus sogar zum Fahrer hin bewegen kann. Dazu kommen physische Schalter und der Zündschlüssel links vom Lenkrad.

Einen permanenten Bildschirm in der Mittelkonsole sucht man dagegen vergebens. Wer unbedingt digitale Unterhaltung braucht, darf sein Smartphone an einer ausfahrbaren, MagSafe-kompatiblen Halterung befestigen.
Was steckt unter der Haube?

Offiziell schweigt Porsche. Weder Leistung noch Antriebsart, Gewicht oder Beschleunigungswerte werden genannt. Doch in der internationalen Fachpresse wird bereits heftig spekuliert. Besonders interessant ist die Möglichkeit eines Achtzylinder-Boxermotors.
Ein solcher Motor wäre für einen modernen Porsche eine kleine Sensation. Der 911 setzt bekanntlich auf sechs Zylinder, der Carrera GT hatte einen V10, der 918 Spyder einen V8. Ein Achtzylinder-Boxer könnte dem neuen Mittelmotor-Supersportwagen eine ganz eigene technische Identität verleihen.

Die Spekulationen werden unter anderem durch historische Anspielungen auf Porsche-Rennmotoren befeuert. Auch eine Hybridisierung ist denkbar. Car and Driver bringt neben einem reinen Benziner ausdrücklich Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Varianten ins Gespräch. Bestätigt ist davon bislang nichts.

Ebenso wenig die Preise. Amerikanische Medien rechnen mit einem Einstieg bei rund 500’000 Dollar. Andere halten sogar deutlich höhere Beträge für möglich. Als möglicher Produktionsbeginn kursieren die Jahre 2028 und 2029. Porsche selbst hält sich auch hier bedeckt.
Lieber Ferrari als Volkswagen?
Der Mission S kommt für Porsche zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Die Marke steckt wirtschaftlich in einer schwierigen Phase. Absatzrückgänge, insbesondere in China, und die schleppende Transformation zur Elektromobilität haben Spuren hinterlassen.
Unter dem neuen Chef Michael Leiters soll sich deshalb einiges ändern. Statt immer mehr Autos für immer mehr Kunden zu bauen, will Porsche künftig stärker auf Exklusivität, hohe Margen und besonders begehrenswerte Modelle setzen. Weniger Masse, mehr Klasse. Oder etwas zugespitzt: lieber Ferrari als Volkswagen.
Zurück in die Zukunft
Noch ist der Mission S ein Versprechen. Ein wunderschönes zwar, aber eines ohne bestätigten Motor, ohne Preis und ohne konkreten Liefertermin.
Trotzdem ist die Studie vielleicht das wichtigste Porsche-Modell seit Jahren. Nicht wegen ihrer Leistung, die noch niemand kennt. Sondern wegen ihrer Haltung. Weniger digitale Spielereien, mehr mechanische Faszination. Weniger Stückzahlen, mehr Begehrlichkeit. Jetzt muss Porsche nur noch den passenden Motor dazu bauen.


