

Der «Rambo-Lambo»
Ursprünglich sollte er Soldaten transportieren. Stattdessen chauffierte er Tina Turner, Sylvester Stallone und arabische Könige. Der Lamborghini LM002 war ein fast drei Tonnen schweres Luxusmonster mit Countach-V12 und 290-Liter-Tank. Oder mit anderen Worten: Das erste Performance-SUV.
Die Geschichte des LM002 beginnt nicht in Sant’Agata Bolognese, sondern beim amerikanischen Militär. Lamborghini wollte einen Geländewagen für die US-Armee bauen. So entstand 1977 der Cheetah, ein martialischer Prototyp mit Chrysler-V8 im Heck. Doch das Konzept hatte erhebliche Schwächen: Die Gewichtsverteilung war ungünstig, die Fahrleistungen enttäuschend. Die US-Armee lehnte dankend ab.

Lamborghini verwandelte seine Niederlage in einen Geländewagen für Millionäre, dem man vorne den 5,2-Liter-V12 aus dem Countach einpflanzte. So wurde aus dem militärischen Missverständnis ein automobilistisches Meisterwerk des Grössenwahns. 1986 feierte der LM002 auf dem Brüsseler Autosalon Premiere.

Reiche, Rambos, Rockstars

«But it is so bloody ugly that it will sell», brachte es ein amerikanischer Lamborghini-Händler auf den Punkt. Und so kam es: Sylvester Stallone soll einen besessen haben. Genauso wie Tina Turner, die ihrem Lambo einen Mercedes-V8 samt Automatikgetriebe einbauen liess. Auch Formel-1-Weltmeister Keke Rosberg, Rockgitarrist Eddie Van Halen und Verleger Malcolm Forbes gehörten zu den prominenten Besitzern. König Hassan II. von Marokko bekam sogar das erste Exemplar. Für den Sultan von Brunei entstand ein besonders extravaganter LM002 mit verlängertem Kombi-Aufbau. Offenbar war selbst dieser Lamborghini noch nicht unvernünftig genug.

290 Liter gegen die Vernunft
Der LM002 war ein technisches Kuriositätenkabinett. Speziell entwickelte Pirelli-Scorpion-Reifen, 345 Millimeter breit, sollten ihn auch durch tiefen Wüstensand tragen. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei rund 210 km/h.

Der Benzintank fasste 290 Liter. Das klingt nach einer ordentlichen Reichweite, bis man erfährt, dass der V12 je nach Fahrweise 30 Liter und deutlich mehr auf 100 Kilometer verschlingen konnte. Ein voller Tank kostet heute rund 500 Franken.

Der Urvater des Urus

301 Exemplare entstanden zwischen 1986 und 1992. Der LM002 war zu gross, zu teuer, zu durstig und zu exzentrisch, um ein Verkaufsschlager zu werden. Dafür wurde er zur Legende. Als Lamborghini Jahrzehnte später den Urus präsentierte, war die Idee eines superschnellen Luxus-SUV längst nicht mehr verrückt. Der LM002 hatte sie bereits 1986 vorweggenommen – nur ohne Rücksicht auf Verbrauch, Vernunft oder guten Geschmack.
Bilder: Lamborghini


