Defender Wolf Series II

Der Defender zieht wieder in den Krieg

Zu weich, zu luxuriös, zu wenig Land Rover? Von wegen: Der Defender zieht wieder in den Krieg – auch als Pick-up. Folgt auf den Defender Wolf Series II für die britische Armee auch eine zivile Version? Fingers crossed.

Veröffentlicht am 23.09.2026

Als Land Rover 2019 seinen Nachfolger präsentierte, war für manche Fans der Untergang des britischen Empire endgültig besiegelt. Einzelradaufhängung! Luftfederung! Touchscreen! Und statt Leiterrahmen eine selbsttragende Aluminiumkarosserie. Damit könne man vielleicht vor dem Londoner Nobelkaufhaus vorfahren, aber doch keinen Krieg gewinnen, spotteten die Puristen. Bis jetzt.

Mit dem Defender Wolf Series II kehrt Land Rover ins Militärgeschäft zurück. Und zwar nicht mit einem umgebauten Serienauto, sondern mit einem ganzen Wolfsrudel für das britische Verteidigungsministerium und andere NATO-Staaten.

Das Wolfsrudel

Vorgestellt wurden zunächst drei Versionen: das Tactical Mobility Vehicle TMV, das Mono-Tactical Mobility Vehicle M-TMV und das Utility Vehicle UV. Weitere Varianten sollen folgen. Am spektakulärsten sieht das TMV aus. Türen? Weg. Dach? Weitgehend weg. Stattdessen Überrollkäfig, offene Seiten und militärische Ausrüstung.

Als Zivilisten interessiert uns das Utility Vehicle am meisten. Denn Land Rover hat dafür etwas gebaut, worauf Defender-Fans seit sieben Jahren warten: einen Pick-up. Zwei Türen, offene Ladefläche mit herunterklappbaren Bordwänden, Schnorchel und ein massiver Stossfänger – ein Defender zum Arbeiten. Bis zu 900 Millimeter Wattiefe und 293 Millimeter Bodenfreiheit machen deutlich, dass der Wolf eher selten vor dem Opernhaus parken dürfte.

Der Monocoque muss an die Front

Unter dem martialischen Blech steckt grundsätzlich dieselbe D7x-Architektur wie im zivilen Defender. Also genau jene selbsttragende Konstruktion, die Traditionalisten dem neuen Modell immer wieder vorwerfen. Land Rover hält nun dagegen und nennt eine Verwindungssteifigkeit von 29 kNm/Grad – rund dreifache Steifigkeit gegenüber traditionellen Body-on-frame-Konstruktionen.

Mehr als 62’000 Tests musste die Konstruktion während der Entwicklung über sich ergehen lassen. Beim Utility Vehicle sind bis zu 2000 Kilogramm Nutzlast und 3000 Kilogramm gebremste Anhängelast möglich. Die Reichweite soll 938 Kilometer betragen. Sogar in einen CH-47-Chinook-Transporthelikopter soll sich der Wolf verfrachten lassen. Eine Option, die in der Preisliste des Defender 110 bislang noch fehlt.

Laut Fachberichten wird die Wolf-Familie von einem Sechszylinder-Diesel mit rund 250 PS und 576 Nm angetrieben. Der Motor wird in Wolverhampton gebaut und kann mit NATO-kompatiblem Treibstoff betrieben werden.

Zurück zum Dienst

Hinter dem Projekt steckt die neu gegründete Defender Defence Division. Land Rover bewirbt sich damit um das milliardenschwere Light-Mobility-Vehicle-Programm des britischen Verteidigungsministeriums. Gleichzeitig soll der Wolf Series II anderen NATO-Staaten angeboten werden.

Damit schliesst sich ein Kreis. Jahrzehntelang gehörten Land Rover und Defender zum Fuhrpark der britischen Streitkräfte. Der ursprüngliche Wolf war die militärische Weiterentwicklung des klassischen Defender. Nun soll sein Nachfolger beweisen, dass moderne Elektronik, Monocoque und Geländetauglichkeit keine natürlichen Feinde sind.

Bleibt nur eine Frage: Warum dürfen eigentlich nur Soldaten den Pick-up haben? Eine zivile Version hat Land Rover bislang nicht angekündigt. Aber die wichtigste Ausrede ist jetzt weg. Bauen können sie ihn offenbar.

Bilder: Land Rover

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