Retro Coachbuilders

Car déco Rolls-Royce Phantom III

Retro Coachbuilders bringt mit dem Rolls-Royce Phantom III die grosse Zeit der Karossiers zurück – mit einem Einzelstück, das aussieht, als wäre es der Neuwagen von Jay Gatsby. Retro Coachbuilders ist weniger eine britische Traditionsmanufaktur, sondern mehr ein italienisches Start-up.

Veröffentlicht am 29.08.2026

Früher kaufte man keinen Rolls-Royce. Man kaufte ein Chassis – und liess sich den Rest von Karossiers bauen. Berühmte Karosseriebauer wie Barker, Hooper, Park Ward oder Mulliner verwandelten das technische Fundament in automobile Einzelstücke. Genau diese Tradition lässt Retro Coachbuilders nun wieder aufleben. Das Besondere: Es handelt sich nicht etwa um eine britische Traditionsfirma, sondern um ein junges Familienunternehmen in Italien.

Hinter Retro Coachbuilders steckt die Familie Rodrigues, die das Unternehmen 2015 gründete. Statt einer klassischen Manufaktur betreibt sie ein Netzwerk aus zwölf spezialisierten Ateliers und Werkstätten in Italien. Chefdesigner Christopher Alexander Rodrigues hat offensichtlich ein Faible für automobile Formen, die fast ein Jahrhundert älter sind als er.

Ausgerechnet einem britischen Heiligtum nahm sich die Familie Rodrigues an. Die Basis für den Phantom III Hardtop Cabriolet stammt aus der Vorkriegszeit: Unter dem neuen Blech steckt ein vollständig restauriertes Original-Chassis eines Rolls-Royce Phantom III aus den Jahren 1936 bis 1939 – inklusive V12.

Art Retro

Christopher Alexander Rodrigues’ Ziel war keine historische Replik, sondern eine Neuinterpretation der spektakulären Karosseriebauten der 1920er- und 1930er-Jahre. Retro Coachbuilders nennt das selbstbewusst «Art Retro».

Eine endlos lange Haube aus gebürstetem Aluminium, mächtige geschwungene Kotflügel, teilweise verkleidete Hinterräder, dreifache seitliche Auspuffrohre und eine zentrale Heckfinne mit senkrechtem Rücklicht lassen den Phantom aussehen, als wäre er direkt aus einem Art-déco-Filmset gerollt.

Die Aluminium-Karosserie entsteht von Hand in Turin und Modena. Italienische «Battilastras», traditionelle Blechkünstler, treiben die Formen ins Metall. Keine Gigapressen, hier gibt es nur Hammer, Handwerk und vermutlich ziemlich viel Geduld.

Peugeot als Vorbild

Besonders spektakulär ist das Dach. Statt eines klassischen Stoffverdecks besitzt der Rolls-Royce ein elektrohydraulisch versenkbares Hardtop. Inspiration lieferte ausgerechnet Peugeot: Bereits 1934 überraschte der Peugeot 601 Eclipse mit einem im Heck verschwindenden Metalldach.

Innen geht der grosse Auftritt weiter. Exotische Holzfurniere treffen auf Perlmutt und individuell angefertigtes Leder. Diskretion sieht anders aus. Aber Quiet Luxury wäre bei diesem Auto ungefähr so passend wie Turnschuhe zum Smoking.

Unter all dem Glamour steckt echte Rolls-Royce-Geschichte. Der Phantom III wurde ab 1936 gebaut und war der erste Rolls-Royce mit V12-Motor. Schon damals entstanden auf seinem Chassis einige der extravagantesten Karosserien ihrer Zeit.

Der Phantom III Hardtop Cabriolet ist als Einzelstück konzipiert. Einen Preis nennt der Hersteller nicht. Wer danach fragt, hat wahrscheinlich schon verloren. Das ist kein Auto, sondern eine rollende Art-déco-Skulptur – stilvoll, als gehörte sie dem grossen Gatsby.

Bilder: Retro Coachbuilders

<< Zurück zur Übersicht

Das könnte Sie auch interessieren: