

AMG GT SUV: 1169 PS Technikmonster
AMG baut erstmals ein eigenes SUV. Und was für eines! Bis zu 1169 PS, 2000 Nm Drehmoment und 710 kW Ladeleistung. Kurz: Der neue Mercedes-AMG GT SUV ist ein elektrisches Technikmonster – mit Identitätsproblem.
Als Hans Werner Aufrecht und Erhard Melcher 1967 in einer alten Mühle im schwäbischen Burgstall eine kleine Firma gründeten, ahnte wohl niemand, dass daraus knapp 60 Jahre später ein eigenes Performance-SUV entstehen würde. Mit 1169 PS, 2000 Nm Drehmoment und drei Elektromotoren.

Drei elektrische Muskelpakete

Die AMG-Modellpalette beginnt beim GT 53 SUV mit 400 kW/544 PS. Darüber rangiert der GT 55 mit 600 kW/816 PS. Die Krönung ist der GT 63 mit 860 kW/1169 PS und unglaublichen 2000 Nm Drehmoment. Drei Axialflussmotoren katapultieren den 2,7-Tonnen-Koloss in 2,5 Sekunden auf Tempo 100. Nach 6,8 Sekunden stehen bereits 200 km/h auf dem Tacho. Schluss ist bei 270 km/h. Vorausgesetzt, man hat das entsprechende Driver’s Package bestellt.

Noch beeindruckender als die Spitzenleistung sind die 530 kW/721 PS Dauerleistung der beiden Topmodelle. Dafür sorgt eine 800-Volt-Batterie mit einzeln direkt gekühlten Rundzellen. Der AMG soll seine Muskeln also nicht nur für einen einzigen Sprint spielen lassen, sondern auch bei wiederholter Vollbelastung.

Laden im Formel-1-Tempo
Fast noch spektakulärer ist die Ladeleistung. Mit dem grossen 128-kWh-Akku sind bis zu 710 kW möglich. In zehn Minuten sollen so bis zu 450 Kilometer WLTP-Reichweite nachgeladen werden können. Von zehn auf 80 Prozent dauert es unter Idealbedingungen rund zwölf Minuten. Allerdings muss man dafür erst einmal eine Ladesäule finden, die solche Leistungen liefern kann. Die maximale Reichweite beträgt bis zu 700 Kilometer.

Damit sich der Schwergewichtsathlet nicht wie ein vollbeladener Möbelwagen durch Kurven schiebt, spendiert AMG ihm ein aktives Hydraulikfahrwerk mit Nick- und Wankstabilisierung, Hinterachslenkung und eine ausgeklügelte Drehmomentverteilung. Ein aktiver Dachspoiler sorgt bei hohen Geschwindigkeiten für zusätzliche Stabilität.

V8 aus der Dose

Und dann wäre da noch der Sound. Weil ein elektrischer AMG offenbar nicht einfach elektrisch klingen darf, haben die Ingenieure den Klang echter V8- und Sechszylindermotoren aufgenommen. Im Fahrmodus AMGFORCE Sport+ werden daraus ein virtueller Verbrenner, simulierte Gangwechsel und sogar vibrierende Sitze. Fehlt eigentlich nur noch ein Duftspender mit Benzinaroma.

Der neue AMG GT SUV ist zweifellos ein technisches Meisterwerk. Ob er auch emotional überzeugt, wird sich zeigen. Denn 1169 echte PS sind eine Ansage. Ein künstlicher V8 dagegen bleibt ein bisschen wie alkoholfreier Whisky: Man erkennt die Absicht, aber irgendetwas fehlt.

Der GT 53 SUV startet in Deutschland bei 113’050 Euro. Die Schweizer Preise werden zum Bestellstart am 20. Oktober erwartet. Die stärkeren Modelle folgen im Frühjahr 2027.
Bilder: Mercedes-AMG


